Start A-Z Aktuell Kontakt Gemeinde Die Kirche Orgel Konfirmanden Gottesdienste Kirchenmusik Links


Evangelische Messe
Im Laufe der Jahrhunderte ist die Form der "Deutschen Messe" Martin Luthers immer weiter verschlankt und dadurch nüchterner, man kann sagen "kopflastiger" geworden. Das Gewicht lag immer mehr auf der Predigt, weil man meinte, dass man den Glauben nur mit der Vernunft erfassen und begreifen kann. Evangelischer Gottesdienst ist deshalb schon lange in erster Linie Predigt. Wir sehen hier einen Hauptgrund für den Bedeutungsverlust des Gottesdienstes unter den evangelischen Christen. Dieses hat sich in letzter Zeit etwas geändert: Schon seit längerem gibt es eine Rückbesinnung auf Martin Luther und auf die "Deutsche Messe", welche im Gottesdienst auch auf andere, sinnlichere Dinge Wert legte. Taufkerzen oder die Osterkerze gehören dazu, mehrfach im Jahr die Schola für die liturgischen Gesänge, festliche Gewänder (z. B. die "Albe", ein besonderer weißer Talar des Pastors mit Stola in der Farbe des Kirchenjahrs und aufgestickter Lutherrose), und vor allem die häufigere Feier des Abendmahls, bei uns durchschnittlich zweimal im Monat.

Das alles sind Bestandteile des Gottesdienstes an St. Nikolai. Wir sind dabei, den Schatz der liturgischen Tradition wieder zu entdecken, versuchen, den Gottesdienst sinnhafter zu gestalten und nicht nur allein den Verstand anzusprechen. Eine große Quelle von Anregungen und die gelungene Sammlung vieler, auch moderner, liturgischer Gestaltungsmöglichkeiten finden wir im neuen Gottesdienstbuch, das zum Gebrauch in allen evangelischen Kirchen im deutschsprachigen Raum bestimmt ist.

Die bei uns gefeierte Evangelische Messe ist der Versuch, die Rückbesinnung auf die Ursprünge evangelischen Gottesdienstes mit einer geistlich wie künstlerisch anspruchsvollen, zeitgemäßen, die Gefühle ansprechenden Musik, mit modernem Leben und moderner Sprache zu vereinen. Der Ablauf des Gottesdienstes ist zwar relativ genau festgelegt, abhängig von der Kirchenjahreszeit kann dieser aber auch variiert werden. Und immer tragen seine Teile, Gesten und Verrichtungen ganz bestimmte Bedeutungen. Beispiele: Zum Beginn der Evangelischen Messe (Introitus) wird in feierlicher Form das Vortragekreuz herein getragen zum Zeichen, das Christus jetzt mit seiner Gemeinde den Gottesdienst feiert. Dazu stehen alle auf und singen das Eingangslied. Lesungen, Predigt, die Einsetzungsworte des Abendmahls und auch der Segen werden zur Gemeinde hin gesprochen, weil sie Belehrung oder Zuwendung sind. Bei den Gebeten ist der Liturg zum Altar gewandt, weil er sich mit der Gemeinde zusammen an Gott wendet.

Was wir weiter entwickeln wollen, ist eine noch stärkere Heraushebung der Evangelien-Lesung. Bereits jetzt wird diese durch den einleitenden Hallelujagesang, die stehende Gemeinde und das schließende "Ehre sei dir, Herr, Lob sei dir, Christus" besonders betont. ßkumenischer und lutherischer Praxis z.B. in den skandinavischen Ländern und den Vereinigten Staaten entspräche aber, das Evangelium in die Gemeinde hineinzutragen und dort, bei uns im Mittelgang, zu lesen. Dabei brennen Kerzen links und rechts des Lektionars, anders als bei der Epistellesung am Lesepult.

In der Richtung wollen wir weitergehen, bei allen Gestaltungen besonders auf die Beteiligung der Gemeinde und ihren Möglichkeiten achten. Der Gottesdienst ist für viele Besucher ein in evangelischen Kirchen ungewohntes Erlebnis, das mehr und andere Sinne anspricht, als der gewohnte sonntägliche Predigtgottesdienst. So lassen wir uns die nötige Zeit und gehen kleine Schritte, damit die Gemeinde sich die schönen und feierlichen Formen und die Ausdrucksmöglichkeiten des Glaubens aneignen kann.
zurück