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Das größte deutsche Glockenspiel

so die Herstellerfirma M. & O. Ohlsson in Lübeck, wurde am 2. Mai 1909 feierlich eingeweiht – mit einem Festgottesdienst und anschließendem Festessen im Etablissement »Sanssouci«. Als das Glockenspiel gegen 11½ Uhr ertönte, hatte sich »ein überaus zahlreiches Publikum auf dem Südermarkt eingefunden«. Es erklangen als die ersten drei Choralmelodien, zweistimmig, die bis auf weiteres täglich vom Turm herab ertönten: »Wie schön leucht’ uns der Morgenstern!«, »Befiehl du deine Wege!« und »Ich bete an die Macht der Liebe!« In der von der Kommission überreichten Urkunde hieß es: »Möge jetzt und in späteren Zeiten der feierliche Klang von der Höhe des Turms herab die Herzen rühren: die Leidenden im Gottvertrauen stärken und die Glücklichen emporweisen zum Geber aller Gaben.«

Nach der Abstimmung vom 14. März 1920 gab es einen besonderen Vorfall: der Polizeichef der »Commission Internationale Slesvig, Flensborg«, Waldemar Sörensen verbot mit sofortiger Wirkung das Abspielen der Melodie »Schleswig-Holstein, Meer umschlungen«, die jeden Abend um 9 Uhr erklang, mit der Begründung: »da in dieser bewegten Zeit ein solches Verfahren Anlass zur Störung der Ordnung und Ruhe geben kann« Die Kirche protestierte: »Das Schleswig-Holstein-Lied ist unser nationales Bekenntnislied, das zur Treue mahnt und von jedem Geist des Angriffs und der Aufreizung frei ist ...«. Der Einspruch blieb erfolglos – darauf stellte die Kirche das Glockenspielen »bis auf weiteres« ganz ein.

1928 schrieb Pastor Kähler in seinem letzten Gemeindeblatt über das Glockenspiel: »Viel warmer Segen ist von ihm ausgegangen. Wie manches Mal haben seine Weisen eine fromme Kraft ins Herz gegeben. Unsere Jugend wächst unter seinen andächtigen Klängen auf, und die Alten finden bei seinen Tönen weihevolle Besinnung, und wo in der Fremde Glieder unserer Gemeinde
heimwärts denken, hören sie wie im schönen Traume die Lieder vom Turm.« [Otto Deckmann]. Während des Zweiten Weltkrieges blieben die siebzehn Bronzeglocken des Glockenspiels von der Einziehung verschont. Das Landeskirchenamt in Kiel hatte zwar alle Gemeinden aufgefordert, bronzene Läuteglocken abzugeben. Sachlich richtig hat der Kirchenvorstand darauf geantwortet, es handle sich beim Geläut von St. Nikolai um Stahlgussglocken (von 1877/78). Dieses wurde so auch nach Berlin gemeldet. zurück